Hallo und guten Tag,
Ich möchte sehr gern über meine Reha in Heidelberg berichten, denn es war schon etwas besonderes, für mich natürlich, aber eben auch vom Prinzip her.
Bisher wird allen Patienten mit Lungenhochdruck geraten, eher jede körperliche Belsastung zu meiden. Und im Prinzip gilt sicher auch weiterhin, Lungensport oder Herzsport ist für das rechte Herz nicht geeignet.
Aber zur Zeit läuft an der Uniklinik Heidelberg eine Studie an, die eine ganz individuelle Trainingseinheit für Patienten mit pulmonaler Hypertonie erarbeiten soll. Ich gehörte zur Verumgruppe, durfte also das machen, was ich für mich schon immer propagiert habe.
Die Studie beinhaltet vorsichtiges Bewegungstraining, dazu gehören begleitete Spaziergänge auf ebener Strecke, nur das es diese auf dem Königstuhl gar nicht gibt….Da war das Auf und Ab wirklich richtige Arbeit, anfangs mit Pulsoximeter, bis ich dann langsam alle überzeugen konnte, dass das Unsinn ist, die Schwankungen der empfindlichen Geräte sind immens, regieren auf jede Bewegung der Finger, und, und, und. Schliesslich reichten dann Messungen vor, in der Halbzeit und nach dem Spaziergang.
Dazu kam Intervalltraining auf dem Ergometer, mit 10 / 15 Watt sollte ich anfangen, bin jetzt bei 20 /40 Watt für 15 min. und ich denke, da ist noch mehr drin. Durch das Intervalltraining, 2min. 20 Watt, 30 sek. 40 Watt hat man eine aktive Erholungsphase, ohne ganz aufzuhören.
Das Muskeltraining einzelner Muskelgruppen wurde ebenfalls individuell abgestimmt. Die Krankengymnastin ist zwar der Meinung, eigentlich sei solch ein Training einzelner Muskelgruppen unphysiologisch, aber es ist eben nicht so belastend und so trainiere ich jetzt mit einer 2kg-Hantel einzeln den Bizeps, den Trizeps und den Deltoideus (Schulter).
Ebenso wird einzeln beübt (mit Gewicht): Oberschenkelvorderseite-Quadrizeps(Kniestrecker), Oberschenkelhinterseite-Ischio-cruale Muskulatur (Kniebeuger), die Hüftbeuger(Flexoren), die Hüftstrecker (Extensoren und die seitliche Hüftmuskulatur (Abduktoren).
Als weitere, für mich wie die bisherigen Übungen sehr effektive Einzelbehandlung kam die tägliche Atemtherapie dazu, die ich in dieser Art noch nicht mitgemacht hatte. Übungen zur Wahrnehmung der Atembewegung,, Einatemtechniken, Sekretolyse (autogene Drainage), dazu das Kennenlernen verschiedener Dehnlagen mit dem Ziel :Entspannung, Verbesserung der Ventilation, Herabsetzung erhöhter Gewebswiderstände in der Haut und in der Muskulatur, verstärkte Atembewegung in kostodiaphragmalem Bereich.
Besonders angetan war und bin ich von einigen Yogaübungen, die nicht nur den Thorax und die Thoraxmuskulatur betreffen, sondern den ganzen Körper einbeziehen.
Gut gefallen hat mir auch die progressive Muskelentspannung. Weniger überzeugt bin ich von der Möglichkeit des mentalen Gehtrainings. Hier will man versuchen, ähnlich wie im Hochleistungssport, Bewegungsabläufe zu optimieren.
Ich glaube, diese Trainingsmöglichkeit hat ihre volle Berechtigung z.B. bei Patienten nach Schlaganfall oder nach orthopädischen Operationen, aber ich muss ja nicht gehen lernen, ich muss meinen Gehrhythmus meinem Atemrhythmus anpassen und das zu trainieren stelle ich mir schwierig vor, jeder kleine Anstieg, ja jede Unebenheit, von Treppen ganz zu schweigen, erfordert doch eine Neuanpassung. Ich denke, das mache ich mittlerweile fast automatisch und wenn nicht, zwingt mich die Atemnot dazu.
Jedenfalls bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung in dieser Richtung.
Ein bischen Kur gab es auch, Massagen, Heissluft, Inhalationem.
Ebenso gehörte eine physiologische Betreung in Einzelgesprächen dazu, hätte ich vor einigen Jahren sicher dringender gebraucht als heute.
Und das tägliche Üben an einem Atemtrainer (Mediflo), ich habe immer ein bischen über solch ein Spielzeug gelächelt, ich glaube langsam finde ich es sogar sinnvoll, was so eine Reha halt alles bewirkt.
Ziel war es, ein individuelles Trainingsprogramm für Atem-und Bewegungstherapie zu erarbeiten, welches jetzt zuhause fortgeführt werden soll.
Kontrolluntersuchungen mit Stressecho, MRT und anderen nicht invasiven Verfahren erfolgen zu Beginn, am Ende der Reha und nach 3 Monaten.
Das MRT deshalb, da man hofft durch diese Massnahme den Rechtherzkatheter einmal überflüssig zu machen. Es ist schon phänominal , wie gut Lungengefässe darzustellen sind, alles übrige natürlich auch. Nun fehlt nur noch ein Programm, um dies auszuwerten, manuell ausmessen wird nicht machbar sein. Aber die ist eben auch ein Ziel dieser Studie.
Es lohnt sich, etwas zu machen, jeder so, wie es seinen Möglichkeiten entspricht, aber eben regelmässig.
Ich habe durch die 3 Wochen einiges erreicht, real eine Verlängerung der Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest um etwas mehr als 50 m , eine Veringerung des Pa-Druckes um 10 mg Hg in Ruhe. Was für mich aber viel wichtiger ist, ich habe meinen Körper noch besser kennengelernt, Grenzen und Möglichkeiten gesehen.
Und ich komme zur Zeit, dank des bergigen Heidelberg, ohne Stehenzubleiben in meinen ersten Stock (Treppensteigen war uns nämlich eigentlich untersagt…) Und das würde ich gern weiter so haben, also heisst es, weiter zu machen, nicht wegen der Studie, sondern wegen meinem Wohlbefinden.
Viele Grüsse an alle
Christa Fiedler