Der Rucksack, der mir Leben schenkt

Silvia R. leidet unter gefährlichem Lungenhochdruck. Mit einer Sauerstoff-Therapie wird ihr Leiden gemildert

Der Rucksack, der mir Leben schenkt

Silvia R.s Atem ist flüssig und hängt abgepackt in einem Zwei-Liter-Tank auf ihrem Rücken, tiefgekühlt auf minus 180 Grad. Unter Zischen und Schnaufen pumpt die Rucksack-Maschine den reinen Sauerstoff in dünne Plastikschläuche, in denen er alsbald gasförmig wird. In diesem Zustand begibt er sich auf den Weg in Silvias Körper, wo er ihr Leben rettet.

Diagnose: Lungenhochdruck. Prognose (ohne Therapie): durchschnittlich zwei Jahre bis zum Tod!Vor zehn Jahren war bei Silvia R. (51) zunächst Rheuma festgestellt worden. In dessen Verlauf entwickelte sich eine chronische Entzündung in der Lunge. Vor einem Jahr bekam sie kaum noch Luft. „Nur zwei Schritte, dann hatte ich Hustenanfälle. Mein Gesicht lief lila an, mir wurde schwindlig.“ Geringste Tätigkeiten, unmöglich. „Sogar bloßes Unterhalten ging nicht mehr.“Aufnahme in die Evangelische Lungenklinik Berlin (Buch). „Ein schwerer Fall“, sagt Prof. Christian Grohé (48), Chefarzt der Klinik für Pneumologie. „Durch eine Autoimmunreaktion sind die Lungengefäße dauerhaft entzündet, schwellen an, versteifen zunehmend, weniger Blut passt hindurch, der Druck ist erhöht.“ Bei Silvia R. teilweise auf bis zu 300 Prozent. Grohé: „Werte, die mit dem Leben nicht vereinbar sind.“ Folgen: Durchblutungsstörung, Bewusstlosigkeit, Herzversagen. Grohé behandelte Silvia R. mit einer Kombi-Therapie: Sauerstoff, Medikamente, Atem-Übungen. „Wir können die Erkrankung nicht heilen, nur günstig beeinflussen. Die Prognose auf mindestens acht Jahre anheben.“ Silvia R.: „Die Lebensqualität ist wieder da. Nur Tanzen und Sex sind wegen der großen Anstrengung leider verboten!“

[@uelle: Berliner Zeitung]